“Wie eine radioaktive Wolke” im Wirtschaftsblatt
Wien. Er ist wohl einer der wenigen Professoren, die nicht im Elfenbeinturm sitzen. Wenn Wilhelm Hankel, der in seiner bewegten Vita Gastprofessuren von Bologna über Harvard, Baltimore bis Berlin innehatte, etwas gegen den Strich geht, dann klagt er schon einmal – etwa 1997 gegen den Vertrag von Amsterdam, mit dem die Euro-Einführung geregelt wurde.
Dieser Tage befindet sich Hankel auf Einladung von Consultatio, die ihr 40-jähriges Bestehen feiert, in Wien – und sieht sich in seiner frühen Euro-Skepsis bestätigt, wenngleich ihn der Ist-Zustand auch “traurig macht”. Er ärgert sich über eine Schuldenkrise, die “wie eine radioaktive Wolke über uns schwebt, alles in ihrem Weg Liegende kontaminiert” und die wirtschaftliche Zukunft der kommenden Generation gefährdet. Ursächlich führt er dies auf die Einführung des Euro zurück, der eine unwiderstehliche Verführung für die PIIGS-Länder dargestellt habe. Und zwar in Form der einheitlichen Verzinsungen an den Anleihemärkten, die die Währungsunion nach sich gezogen hat.
Der Weg aus der Krise kann für Hankel nur über die Aufspaltung der Eurozone führen, in deren Rahmen die PIIGS-Länder wieder ihre nationalen Währungen einführen würden. Das würde für alle Beteiligten zu einer Win-Win-Situation führen. Während der Euro, “wieder wie der D-Mark-Raum” als Hartwährungsregion funktionieren könnte, müssten die Euro-Länder nicht mehr für die Schulden der Peripherie-Staaten geradestehen. Letztere könnten mit einen nach außen gerichteten Finanz-Default mit einem Haircut für internationale Investeron neu beginnen und über eine deutliche Währungsabwertung als Ventil wieder konkurrenzfähig wirtschaften. Sollte dieser Weg nicht eingeschlagen werden, befürchtet der Ökonom einen Inlands-Bankrott der jeweiligen PIIGS-Länder, “und das wäre dann tasächlich eine Katastrophe.”
Bankenrettung
Dass nicht systemrelevante Banken vor diesem Hintergrund bankrott gehen würden, sei zu erwarten, aber ein relativ geringer Preis. Den Kollaps des Finanzsystems könnte man mit Hilfe staatlicher Stützungen abwenden. “Das käme uns auf alle Fälle billiger als die 750 Milliarden, die derzeit im Raum stehen”, so Hankel.



